Donnerstag, 14. September 2023

Die Einweihung


...  .. oder - Jetzt hab ich es schriftlich ! Kaum zu glauben aber war. Angekommen, zu mir gekommen,- ich muss erst mal das alles verarbeiten.  Gelesen ,- erfasst beim nochmal vorlesen lassen ! Heute an dem Tage dieser Veröffentlichung ... ..sollen alle wissen, es ist am Wege !  Was ich konnte könnt ihr auch,- lasst los  und folgt ihm nach ... .. denn die Erde befindet sich im Herbst, nicht nur im kleinen hier sondern auch im grossen Zusammenhange. 
Werdet wieder vergeistigt nach dem Ihr im Fleiche wahrt. 


"Hat nun der Einzuweihende erkannt, was in diesen tiefen Wahrheiten gesagt ist, dann sieht er sich solange um in der objektiven, sinnlichen Wirklichkeit, bis er in sich selber klar geworden ist, daß er nunmehr heruntersteigen kann  (  aus dem Devachan, der geistigen entsprechenden Ebene ) in diese Sinnlichkeit ( die Welt ), um aus Pflicht und in hingebender Selbstaufopferung innerhalb der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken.
Wenn er so weit ist, daß er nicht mehr die sinnlichen Triebe zu befriedigen sucht, sondern diese nur benutzt, um innerhalb der sinnlichen Welt zu wirken, dann ist er selbst ein Eingeweihter, dann ist er initiiert, dann hat er die feste Sicherheit, daß er durchschauen kann die allgemeine Weltengerechtigkeit. Früher lebte er in der Sinneswelt eingeschlossen, und unklar war ihm das Rätsel von Geburt und Tod, das Rätsel des ewigen Werdens. Jetzt ist ihm klar, daß er ewig ist und erhaben über Geburt und Tod."


GA 88  


VIERTER VORTRAGBerlin, 25. Februar 1904 


Verehrte Anwesende! 

Es obliegt mir heute, die Vorträge über den sogenannten Devachanplan oder, wie wir es deutsch nennen müssen, das Geistesland, zu Ende zu führen. Wenn Sie in theosophisehen Büchern über Devachan oder das Land der geistigen Wesenheiten lesen, so werden Sie die Schilderung finden, daß dieses Gebiet der Geistwelt ein Gebiet der Zufriedenheit, ein Gebiet der Glückseligkeit ist. Es wird Ihnen gesagt, das Devachan sei das «Land der Wonnen», das «Land des Glückes». 

Nun, verehrte Anwesende, es ist sehr leicht, eine solche Schilderung mißzuverstehen und sich etwas ganz Falsches unter diesen Worten vorzustellen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß sehr viele Menschen dasjenige, was das Glück des Geisteslandes ist, gar nicht kennen, daß die überwiegende Mehrzahl der Menschen das Glück und die Zufriedenheit in Dingen suchen, von denen allerdings im Devachan nichts mehr anzutreffen ist. Selbst das, was sich zumeist die Menschen in religiösen Vorstellungen als Paradies ausmalen, als Land des Glückes und der Wonne, selbst das knüpft noch so sehr an Vorstellungen der unmittelbaren *sinnlichen (* Welt welche aus den Dingen besteht die wir mit unseren irdischen Sinnen wah zunehmen im Stande sind ) Wirklichkeit an, an Vorstellungen, die aus unserer körperlichen Umgebung genommen sind, daß wir diese Vorstellungen nicht auf das Land der geistigen Wesenheiten anwenden dürfen. 

Was die Menschen sich erhoffen an paradiesischen Freuden, was sie, anknüpfend an sinnliche Vorstellungen, als Paradies bezeichnen, das finden Sie bereits vor dem Eintreten ins Devachan, das finden Sie im fünften Gebiete des Kamaloka, im fünften Gebiete des Läuterungsfeuers, und zwar gerade zu dem Ziele und zu dem Zweck, um diesen Hang zu sinnlichen Freuden und sinnlichen Begierden abzustreifen. Was zum Beispiel der Indianer sich vorstellt als paradiesische jagdgründe, wo er allen Jagdbegierden wird frönen können, das findet er bereits im fünften Gebiet des Kamaloka. Aber gerade davon muß der Mensch gereinigt werden, bevor er eintreten kann in die Geisteswelt. 

Auf der anderen Seite sagen viele, wenn Sie hören, daß von alle dem, was sie hier auf unserer Erde als sinnliche Wirklichkeit erleben, nichts mehr vorhanden ist im Geistesland, daß dann das Geistesland nichts anderes sei als eine Illusion, eine Art von Traum, den wir zwischen zwei Inkarnationen durchträumen. ~ Beides bedarf einer Richtigstellung. 

Es bedarf der Hinführung der Vorstellungen, die der Mensch aus seiner unmittelbar erlebten Wirklichkeit nimmt, zu ganz anderen und höheren Vorstellungen. Man kann eine entsprechende Vorstellung davon gewinnen, was eigentlich gemeint ist mit dem Land der Wonnen, dem Land der Glückseligkeit, was gemeint ist mit jener tiefen Innigkeit und geistigen Befriedigung, die wir erleben zwischen zwei Inkarnationen, wenn man hinhört auf das, was Schüler der großen Meister durch ihre Erfahrung schon in diesem Leben zu erzählen wissen. Derjenige, der in diesem Leben zur Einweihung, zur Initiation gelangt, der erfährt in sich schon in diesem Leben durch den Einblick in das Geistesland etwas von dieser himmlischen Wonne, von dieser wahren geistigen Befriedigung. 

Sie werden fragen: Gibt es denn oder hat es in unseren Ländern etwas gegeben, was man Einweihung nennt? Gab es wirklich in unserer abendländischen Kultur Schüler, welche teilhaftig wurden jenes höchsten Schauens, das uns das Geistesland eröffnet? - Immer hat es die Möglichkeit gegeben, in Geheimschulen, in okkulten Schulen die Einweihung zu empfangen. Eine Strömung okkulter Weisheit kam im 14. Jahrhundert nach Europa. Diese Strömung, die man die rosenkreuzerische nennt, wurde von vielen verkannt; sie muß verkannt werden von allen denen, die sie nur von außen kennenlernen. 

Nur der sollte sie von innen kennenlernen, dem durch okkulte Schulung der Einblick gestattet wurde. Als Christian Rosenkreutz die Weisheit des Orients nach Europa brachte, da gründete er in Europa Schulen, in denen Schüler hinaufgebracht wurden zu den Stufen, wo das Sehen im Devachan, das Sehen der höheren Geheimnisse möglich wurde. Nur diejenigen, welche selbst eine Schulung erlangt haben, wissen etwas davon zu erzählen. Alle äußere Forschung, alles, was in Büchern verzeichnet ist, kann Ihnen keinen Aufschluß geben. Bis zum Jahre 1875, dem Jahre der Gründung der Theosophischen Gesellschaft, ist überhaupt, außer in den geheimsten Lehrstätten, über diese Dinge niemals gesprochen worden. Erst seit 1875 fühlten die Meister der Weisheit die Pflicht, der Menschheit einiges von diesen tiefsten geistigen Wahrheiten zu übermitteln. 

Noch heute finden Initiationen oder Einweihungen statt. Sie können indessen nur stattfinden innerhalb des Geisteslandes, desjenigen Gebietes, das ich Ihnen beschrieben habe. Heute muß jeder Einzuweihende zur eigenen Anschauung dieser höheren Geheimnisse aus dem Devachanplan kommen. Dies zwingt dazu, wenigstens eine kleine Vorstellung davon zu geben, wie derjenige empfindet und wie er umgewandelt wird, der auf dem Devachanplan die Einweihung empfängt. 

Was ich Ihnen geschildert habe von jenen höchsten Wesenheiten, die aus ganz anderen Welten kommen, um im Devachan zuerst ihre Verkörperung zu genießen, um dann herunterzusteigen in die tieferen Regionen, in die drei Welten, diese Wesenheiten zu schauen ist derjenige in der Lage, der in diesem Gebiete zur Initiation, zur Einweihung kommt. Wenn der Mensch die Initiation erlangt hat, dann fängt er an, einen ganz neuen Glauben, ein ganz neues Schauen zu gewinnen.

Er ist wirklich ein anderer Mensch geworden. Und was für viele Menschen, die in seiner Umgebung leben, gar nicht vorhanden ist, wovon sie niemals eine Ahnung haben, das schaut er mit dem geistigen Auge. 

Lassen Sie mich einen kurzen Abriß des Glaubensbekenntnisses geben, welches derjenige, der eingeweiht wird, zu dem seinigen macht. Dieses Glaubensbekenntnis wird Ihnen in einigen Wendungen bekannt erscheinen. Von allen tieferen Wahrheiten ist immer etwas in die Öffentlichkeit gekommen und in der Öffentlichkeit exoterisch fortgepflanzt worden. Derjenige, der eingeweiht wird, bekommt einen höheren Überblick über das, was hier in unserer physischen Wirklichkeit geschieht. Er bekommt diesen höheren Überblick dadurch, daß er sich außerhalb dieser physischen Wirklichkeit stellt. Wir sind ja, während wir in der Sinnenwelt leben, eingeschlossen in die körperliche Organisation und können nur durch unsere Augen sehen, durch unsere Ohren hören, durch unsere übrigen Sinneswerkzeuge wahrnehmen. Wir sind abhängig von dem, was uns unsere Sinne vermitteln. Das hört auf durch jene höhere Schulung, die der Einzuweihende empfängt. Vor dem Einzuweihenden liegt zunächst - ich kann das nur schildern - seine eigene physische Wirklichkeit völlig ausgebreitet. Er sieht sich objektiv neben sich, und so, wie wir irgendeinen anderen Gegenstand der Umgebung unserer sinnlichen Wirklichkeit anschauen, so schauen wir unsere eigene physische Körperlichkeit an, wenn wir eingeweiht werden. Unser Organismus liegt vor uns wie unser eigener Leichnam. Aber auch unser Astralkörper, unsere Begierden, Instinkte, unser ganzes sinnliches Triebleben, liegt vor uns da, und wir sprechen im Sinne der angeführten Vedantaweisheit: «Das bist du». Wir sehen uns völlig objektiv, mit allen Fehlern, mit dem, was wir im Leben erreicht haben durch die verschiedenen Inkarnationen hindurch. Es ist dasjenige, was Ihnen beschrieben wird als der Durchgang durch die Pforte des Todes, den jeder Einzuweihende durchzumachen hat. Er sieht dann dasjenige nicht mehr durch die Sinne, was er sonst in der Sinnenwelt um sich hat; er sieht in die Außenwelt vom Geisteslande her, und zwar nicht sinnlich. Er sieht aber auch in die Instinktwelt, in die Welt des Kama, der Leidenschaften, in die Welt, wo die menschlichen Triebe sind, in dasjenige, was die Menschen in Streit und Hader bringt, was sie erfreut und was ihnen Lust bereitet in dieser physischen Wirklichkeit; da sieht er hinein so, wie ein Fußgänger, der auf einem hohen Berge steht und in eine Gebirgslandschaft hineinsieht. Und weil er sich erhoben hat über die Sinnlichkeit, weil er um sich nur eine Welt des reinen Geistes hat, deshalb sieht er auf der anderen Seite diejenigen Wesenheiten, die geistiger Natur sind, und er vernimmt etwas von dem, was man göttliche Weisheit nennt. Die göttliche Wesenheit selbst ist der Vatergeist aller Religionen; ihn kann niemand in seiner ureigensten Gestalt sehen. Das Höchste bleibt unoffenbar, selbst für die geöffneten geistigen Augen. Aber eine Vorstellung von dem, was schafft und wirkt in der Welt, die erhält der Eingeweihte. Er wird geführt vor die schaffenden, gött- liehen Kräfte. Dann spricht er zum ersten Male das Wort aus Überzeugung, aus unmittelbarer Anschauung heraus, das Wort, das ihm vorher als Glaube beigebracht worden ist: [«Ich bin Brahman»]. Wird der Einzuweihende nunmehr durch die enge Pforte geführt, wo ihm das physische und das astrale Leben objektiv gezeigt wird, dann ertönt das Wort des einweihenden Priesters: Denjenigen, welche schon haben, denen wird viel gegeben werden, und denjenigen, welche noch nicht haben, denen wird auch das genommen, was sie schon haben. - Das ist der InitiationsSpruch, der bei der ersten Pforte der Enweihung ertönt. Sie finden ihn auch in der Bibel, wie manchen Spruch, der aus der ägyptischen Priesterweisheit genommen ist. Diejenigen, welche haben, das sind die, denen bereits der Geist aufgegangen ist, um geistig zu fühlen, geistig zu empfinden. Diejenigen aber, die an diese Pforte kommen und keinen Glauben und keine Empfindung vom Geistigen haben, denen wird auch das Verlangen nach geistiger Erkenntnis genommen. Wehe dem, der unwürdig an diese Stätte kommt, der neugierig sich zugedrängt hat; ihm gegenüber ertönt eine andere Stimme, die wieder eine symbolische Bedeutung hat. Der Mensch erfährt nunmehr, was universeller Geist ist, universelle Seele. Wir Menschen denken über die sinnlichen Dinge nach, aber der Geist, der in uns lebt, den wir als Gedanken in uns erfahren, der den Gegenstand unseres Nachdenkens bildet, das ist derselbe wie die Weisheit, aus der die Welt aufgebaut ist. Wir könnten nicht die Welt mit ihren Gesetzen erkennen, wenn sie nicht aus diesen geistigen Gesetzen aufgebaut wäre. Die Theosophie lehrt, daß das, was im Menschen als Geist, als Manas lebt, wesensgleich ist mit dem, was im großen Universum lebt, mit Mahat. Der Manas des Menschen saugt die Weisheit aus dem Manas des Universums, aus Mahat. Oder sollte ein Mensch glauben, daß die Gesetze, die wir am Himmel wirksam sehen, nach denen sich die Sterne bewegen, nur in seinem Verstände eine Bedeutung haben? Der Mahat des gestirnten Himmels ist das Verstandes- und Vernunftelement draußen in der großen Welt, und was Sie davon erfahren, ist Manas, das Verstandes- und Vernunftelement der kleinen Welt. Nun steigt der Allgeist, der Universalgeist, auf den Einzuweihenden herab. Der Einweihungspriester spricht die Worte: Dies ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. - Der Betreffende, nunmehr Eingeweihte, weiß, was Weltengeist ist. Dann kann er den Glauben an den schöpferischen Weltengeist aus eigener Überzeugung aussprechen und sagen: Ich glaube an den göttlichen Vatergeist, der das Geistige, das auch das Himmlische genannt wird, und das Körperliche, das Irdische, gemacht hat. — Im christlichen Glaubensbekenntnis heißt es: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat. - Und dann ist dem Menschen eines klar geworden: daß er selbst in Wahrheit und Wirklichkeit seinen Ursprung aus demselben universellen Weltengeist genommen hat, der ihm hier im Geisteslande entgegentritt. Er weiß, daß er zur Tiefe heruntergestiegen ist in die sinnlich-physische Materie; er weiß aber auch, daß er heruntergestiegen ist aus göttlichen Welten und aus dem Geist stammt. Er weiß, daß er die geistige Wesenheit, die er in sich tragt, aus dem Borne des göttlichen Vatergeistes selbst erhalten hat, daß er ein Strahl ist aus der Sonne des göttlichen Vatergeistes. Das wird er gewahr als eine wirkliche göttliche Kraft, als etwas, das er erfährt und von dem er unmittelbare Gewißheit hat. Er fängt an, einen neuen Glauben an die Menschheit zu gewinnen. Die Menschheit wird ihm zum eingeborenen Sohne Gottes, zu dem Sohne, von dem er in seinem Glaubensbekenntnis spricht: Ich glaube an den göttlichen Ursprung der Menschheit - an den Gott im Menschen selbst, wie die ägyptische Priesterweisheit das ausgedrückt hat - oder an den Christus im Menschen, der heruntergestiegen ist aus himmlischen Welten. Und dann wird ihm klar, daß der Mensch, bevor diese Zeiten in der Erdenentwickelung herangekommen waren, diese Zeiten, in denen wir jetzt leben, diese Zeiten, in denen die Menschen durch ihre Sinne wahrnehmen, in der ihre sinnlichen Triebe sie zu ihren Handlungen veranlassen -, es wird ihm klar, daß der Mensch, bevor er herabgestiegen ist in diese Sinnessphäre, in einer anderen, in einer rein geistigen Sphäre war. Der Schüler hat jetzt das Geistesland kennengelernt, und er weiß, daß dieses Land das Land war, in dem der Mensch seinerzeit war als eingeborener Sohn Gottes, er weiß, daß der Mensch geboren ist aus jungfräulicher Geistmaterie - Maria oder Maja -, und er weiß, daß der Geistmensch Christus herabgestiegen ist in die sinnliche Materie, er weiß, daß dieser Geistmensch in jedem von uns enthalten ist und sich nach und nach durch die verschiedenen Inkarnationen entwickelt, er weiß, daß dieser Geistmensch von sinnlicher Körperlichkeit umgeben lebt, im physischen Körper lebt. Die Dinge der äußeren Welt wirken sinnlich auf unseren Körper ein und bauen uns unsere Augen, unsere Ohren und die anderen Sinnesorgane auf. Innerhalb dieser körperlichen Sinnlichkeit leben wir und lassen die Welt in uns eindringen. Durch die Sinnesorgane schauen wir wie durch Fenster auf die äußere Welt; wir sind eingeschlossen in die sinnliche Materie und deshalb durch sie beschränkt. Rein und geistig ist der Christus, der in die Menschen einzieht; jungfräuliche Geistmaterie ist er. Nun ist er herabgestiegen in die zusammengezogene, sinnliche Materie. Diejenigen, die esoterisch sprechen, nennen das das Wasser oder das Meer. So heißt es zum Beispiel in der Genesis: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern. - Das bedeutet, der Geist schwebt über der Materie. Man nennt diese Materie griechisch auch «Pontos Pyletos», wörtlich zusammengezogenes Meer. Der Mensch ist eingezogen in diese zusammengezogene Materie, die seine Organe gebildet hat. Dadurch ist aus dem tätigen Wesen im Geisteslande ein Wesen geworden, welches passiv die Eindrücke durch die Sinnesorgane von außen empfängt: Passiv ist der Mensch geworden, ein Pontos Pyletos. Das unterscheidet das Anschauen in der geistigen Welt von dem Anschauen in der Sinnenwelt. Wenn wir in der geistigen Welt einen Gegenstand vor uns haben wollen, dann haben wir zuerst den Gedanken, und diesen Gedanken bildet der Geist im Geisteslande, das heißt, die Abbilder zu allem Schaffen findet der Mensch im Geisteslande. In der sinnlichen Welt nimmt der Mensch leidend auf, passiv geworden ist der Mensch. Wir alle sind passiv geworden, gleichsam leidend in der zusammengezogenen Materie. Das war das ursprüngliche Bekenntnis des ägyptischen Priesterglaubens. Das ist das Symbolum, daß der Christus zu der Menschheit herabgestiegen ist, daß er Materie angenommen hat und passiv leidend wurde in dem zusammengezogenen Meer, in dem Pöntos Pyletos. Im Laufe der Zeit ging dies in das Christentum über, und dadurch, daß das Wort Pöntos Pyletos gründlich mißverstanden wurde, ist die mißverständliche Stelle im christlichen Glaubensbekenntnis entstanden, die heißt: «gelitten unter Pontius Pilatus», die nichts anderes ist als die angeführte Stelle des Glaubensbekenntnisses der ägyptischen Priester. Leidend ist der Mensch geworden; er ist nicht mehr aktiv, sondern passiv. Das ist derjenige Glaubensartikel, der im okkulten Symbolum die sogenannte Menschwerdung bedeutet. Hat nun der Einzuweihende erkannt, was in diesen tiefen Wahrheiten gesagt ist, dann sieht er sich solange um in der objektiven, sinnlichen Wirklichkeit, bis er in sich selber klar geworden ist, daß er nunmehr heruntersteigen kann in diese Sinnlichkeit, um aus Pflicht und in hingebender Selbstaufopferung innerhalb der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken. Wenn er so weit ist, daß er nicht mehr die sinnlichen Triebe zu befriedigen sucht, sondern diese nur benutzt, um innerhalb der sinnlichen Welt zu wirken, dann ist er selbst ein Eingeweihter, dann ist er initiiert, dann hat er die feste Sicherheit, daß er durchschauen kann die allgemeine Weltengerechtigkeit. Früher lebte er in der Sinneswelt eingeschlossen, und unklar war ihm das Rätsel von Geburt und Tod, das Rätsel des ewigen Werdens. Jetzt ist ihm klar, daß er ewig ist und erhaben über Geburt und Tod. Er sieht dasjenige, was veränderlich ist und gleichzeitig die urewige Weltengerechtigkeit, die wir in der theosophischen Sprache Karma nennen. Er ist zu einem Weisen geworden in Weltengerechtigkeit, er kann richten über Leben und Tod, oder, wie es bei den ägyptischen Eingeweihten heißt, über Geburt und Tod. Und jetzt glaubt er an die erhabene Gemeinschaft der leibbefreiten Geiriefster. Nur in der sinnlichen Welt sind wir getrennt, im Devachan sind wir eine Gemeinschaft der leibbefreiten Geister. Das christliche Glaubensbekenntnis drückt das so aus, daß es sagt: Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen. - Aus dem esoterischen Bekenntnis der ägyptischen Eingeweihten ist das christliche Glaubensbekenntnis erwachsen, das eine ganz esoterische Sprache spricht. Es ist zum Teil aus mißverstandenen Symbolen, zum Teil aus esoterischen Sprüchen übersetzt, die die Einzuweihenden als unmittelbares Wissen im Devachanlande empfangen haben. Nun wird Ihnen aus dieser Auseinandersetzung etwas klarer geworden sein, was man meint mit dem Lande der Wonnen und der Glückseligkeit. Es ist die Wonne der Unbegrenztheit, der ewigen Tätigkeit, des ewigen Wirkens. Warum kann uns alles das, was uns in der physischen Welt bedrückt, im Devachan nicht mehr bedrücken? Nicht deshalb ist Devachan ein Land der Glückseligkeit, weil uns dort Wonnen zuteil werden, wie sie der Mensch in seiner Sinnenwelt verlangt und begehrt, sondern deshalb, weil er frei ist von Körperlichkeit, frei ist von dem, was nach sinnlichen Gelüsten verlangt, frei ist aber auch von dem, was ihn begrenzt, und weil es ihm möglich macht, auf das, was sonst von außen auf ihn wirkt, zurückzuwirken. Was uns begrenzt in der sinnlichen Welt, ist entfernt, was uns Schmerz machen kann, ist nicht mehr da. Denn wodurch entsteht der Schmerz? Dadurch, daß auf unseren Astralkörper oder auf unseren physischen Körper Eindrücke gemacht werden. Diese Körper haben wir abgelegt, wenn wir im Devachan sind; es ist der Grund weggefallen zu den Schmerzen und zu den Unlustgefühlen, die wir in der physischen Welt erleben. Weil niemand mehr egoistisch sein kann, kann auch niemand mehr egoistische Freuden verlangen; weil niemand mehr einen Astralkörper hat, ist man frei von allem, was seine eigene Persönlichkeit bedrücken kann. Deshalb erkennt man das Devachan als das «Land der Wonne», das «Land der Glückseligkeit». Ich habe gesagt, daß gerade im dritten Gebiete des Devachan uns offenbar wird jeglicher Schmerz, jeglicher Seufzer der Kreatur, daß wir alles das wahrnehmen können, was hier auf der Erde vorgeht an Schmerzen und Leiden, was sich abspielt an Leidenschaften und Begierden. Aber wir nehmen es so wahr, wie wir die Objekte hier in der Sinnenwelt wahrnehmen - eine Wahrnehmung, welche nicht so stark und nicht so grell ist, daß sie uns Schmerz verursacht. Es ist auch nicht so, wie wenn wir einen Gegenstand betasten, befühlen, der einen hohen Temperaturgrad hat, daß wir uns verbrennen - kurz, wir nehmen wahr, ohne daß wir egoistische Schmerzen oder persönliche Lust empfinden. Wir sehen die Gesamtheit aller Schmerzen, aller Leiden an, und wir stehen als geistige Wesenheiten darüber und fühlen, daß wir mitzuarbeiten haben daran, diese Schmerzen zu lindern oder zu mindern. Es ist uns ganz gleich, ob dieser Schmerz oder diese Lust uns angehört oder anderen. Unsere Persönlichkeit ist abgestreift; die Schmerzen sind nicht mehr persönlich. Es ist die Ursache weggefallen, aus der für uns persönliches Leid entstehen konnte. Weil wir entkörpert gleichsam frei sind von allem, was uns bedrücken konnte, deshalb nennt man das Devachan das Land der Wonne, deshalb muß die Glückseligkeit im Devachan als eine solche beschrieben werden, die sich mit nichts vergleichen läßt, was hier in der sinnlichen Wirklichkeit vor sich geht. Nur derjenige weiß, was diese «Wonnen» des Devachan bedeuten, der als ein Eingeweihter selbst schon hier in dieser physisch-sinnlichen Verkörperung Erfahrungen gemacht und Kunde und Weisheit von diesem Devachan erhalten hat. Alles dasjenige, was uns vom Devachanlande erzählt wird, stammt aus den Erfahrungen und den unmittelbaren Beobachtungen und aus den Einblicken solcher Eingeweihter, die gelernt haben, selbst aktiv tätig zu sein innerhalb des geistigen Daseins. Diese haben auch gelernt, daß es die größte Illusion wäre, davon zu sprechen, daß das Leben im Devachan zwischen zwei Verkörperungen eine Illusion sei. Das ist gerade die Illusion, daß wir das Leben im Devachan als eine Illusion, als einen Traum betrachten. Und in der Tat: alles wirkliche Leben stammt aus dem Devachan. Und nur deshalb, weil es die Aufgabe des irdischen Daseins ist, die Menschen in ihrer geistigen Tätigkeit herunterzuführen bis in die irdische Welt, muß der Christus im Menschen, in sinnlicher Verkörperung erscheinen. Deshalb ist nach dem Ausspruch Piatos, des großen griechischen Philosophen, die Weltseele in Kreuzesform durch das Universum gelegt und über den irdischen Weltleib ausgespannt. Das hat Plato gesagt. Es ist ein Symbolum, das der Eingeweihte kennt in seiner tiefsten Bedeutung. So, wie das Instrument, das Werkzeug, den Werkmeister braucht, so braucht unser physisches Dasein die geistige Welt, damit die geistige Welt der Baumeister am physischen Leib sein kann. Wie niemals zum Beispiel ein Hammer ohne Einfluß geistigen Nachdenkens entstanden wäre und niemals gebraucht werden könnte von einem Wesen, das nur physische Kräfte hätte und nicht nachdenken könnte, so könnte auch der Mensch seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er nicht immer wieder aufsteigen würde in das Geistesland und sich dort immer wieder die Kräfte holen würde, um in der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken. In dasjenige Land steigt er, wo er Kunde der reinen Geistigkeit erhält, wo er lernt, wie die geistigen Kräfte wirken, ohne daß sie passiv werden innerhalb der Sinne, wo er lernt, frei die Flügel zu entfalten und zu wirken. Dann kann er wiederum verkörpert, leidend werden in der zusammengezogenen Materie des irdischen Daseins, im Pöntos Pyletös. Von Inkarnation zu Inkarnation wandert der Mensch; immer wieder zieht er ein in den Pontos Pyletös; immer wieder wird der Geist gekreuzigt in der Materie. Niemals kann der Theosoph materialistisch sein - auch nicht in kleinstem Anfluge - und in der physischen Welt das Ganze des Daseins erblicken. Und namentlich, wenn er in der Lage ist, eigene Beobachtungen im Lande des Geistes zu machen, wird er zu der Erkenntnis kommen, daß Askese wirklichkeitsfeindlich wäre. Was der Mensch als geistiges Wesen für eine Aufgabe hat, das wird uns klar im Geisteslande. Die irdische Welt, in der wir leben, ist der uns zugewiesene Aufenthaltsort während unserer gegenwärtigen Evolution. Und was wir aus dem Geisteslande holen, das sollen wir zum Segen dieser irdischen Welt anwenden. Damit wir auf dieser Erde wirken können, deshalb werden wir immer wieder zwischen zwei Inkarnationen mit neuen Aufträgen aus dem Geisteslande versehen. Verehrte Anwesende, wir haben nun die Gebiete der drei Welten durchwandert. Drei Welten sind es, in denen der Mensch lebt: die irdische Welt, die seelische oder astrale Welt und die geistige Welt oder Devachan. Hier in diesem Dasein lebt der Mensch in allen drei Welten. In jedem sinnlichen Menschen ist auch ein seelischer Mensch und ein geistiger Mensch enthalten. Bewußtsein hat allerdings der Mensch nur innerhalb des Sinnlichen, aber wirken tut in ihm der astrale und der geistige Mensch ebenso; in jedem Menschen ist auch die Seele und der Geist wirksam. Das Bewußtsein des Menschen erwacht zwischen zwei Inkarnationen im Kamaloka, im Seelenlande; dann wird der Mensch sehend, er wird erweckt zwischen zwei Inkarnationen - je nach der Entwicklungsstufe, je nachdem, was er mitbringt aus dieser irdischen Inkarnation - im Devachan, im Geisteslande, um wiederum zurückzukehren in die astrale Welt, um sich mit Astralmaterie zu umkleiden und wiederum inkarniert zu werden in der physischen Wirklichkeit. Das ist der Gang, die Pilgerschaft des menschlichen Geistes. Aus dem Geisteslande stammt die menschliche Wesenheit. Jungfräuliche Materie war es ursprünglich, aus welcher der Mensch, als er noch im reinen Geisteslande lebte, sich selbst einen Leib bildete. Diesem unserem irdischen Zustande ist vor langer Zeit ein anderes Leben auf unserer Erde vorangegangen. Da waren die Menschen noch reine Geister, da war nur geistige Wirklichkeit vorhanden. Dann stieg der Mensch zunächst herab in das astrale Dasein, noch nicht bis zur physischen Wirklichkeit. Er war damals noch der Adam-Kadmon, jene «reine» Wesenheit, in der noch nicht die physische Triebwelt vorhanden war. Dann kam dasjenige, was in der Genesis so wunderbar symbolisch ausgedrückt wird, wo es heißt: Jehova formte den Menschen aus einem Erdenkloß und blies ihm ein den lebendigen Odem. - Der Geist bekam sinnlich-dichte Materie und damit zugleich das ganze Dasein der physisch-sinnlichen Wirklichkeit. Der Mensch war bis dahin in einer Art von Unterbewußtsein. Das wache Bewußtsein, das wir heute haben, dieser Verstand, durch den wir die Dinge erwägen und mit dem wir uns orientieren in der physischen Welt, ist dem Menschen erst geworden mit dem Heruntersteigen in die sinnliche Welt; zugleich mit der niederen sinnlichen Wirklich- keit hat der Mensch die Vernunft bekommen. Dies ist wiederum in der Genesis in symbolischer Weise dargestellt als die Schlange; sie beschenkt die Menschheit mit dem irdischen Verstände. Der tiefste Punkt in der Menschheitsentwicklung ist derjenige, wo Geburt und Tod stattfinden, wo das Unsterbliche des Menschen immer hindurchschreiten muß durch die Pforte des Todes. Dies wird in der nächsten Epoche abgelöst werden, dann wird der Mensch, ähnlich wie in der vorhergehenden Epoche, nur noch Astralwesen sein; und dann wird die letzte Epoche kommen, wo der Mensch nur ein geistiges Dasein haben wird. So lehrt uns gerade die Betrachtung des Devachan, wie alles in der Welt, im großen und im kleinen, in einer Entwicklung steht, wie alles Dasein aus dem Geiste kommt, durch die sinnliche Wirklichkeit hindurchgeht, um wieder zum Geistigen aufzusteigen. Die Betrachtung dieses höheren, geistigen Gebietes zeigt uns, daß dasjenige, was wir Tod nennen, was wir Vergehen nennen, nichts weiter ist als ein vorübergehender, fast ein illusionärer Zustand einer Weltepoche, daß es nicht etwas ist, was Dauer haben kann. Die Überzeugung, die Klarheit, das Wissen darüber, daß der Mensch aus höheren Gebieten gekommen ist und daß er zu höheren Gebieten wieder gehen wird, das ist es, was uns die Kraft gibt, daß wir nach und nach, wenn wir in der Theosophie vorschreiten, alles nachempfinden können, was ein Initiierter des frühen Christentums - Paulus - empfunden und mit den Worten ausgedrückt hat: Tod, wo ist dein Stachel? 

Andererseits soll man aber auch niemals das irdische Dasein verachten. So, wie die Biene den Honig in den Bienenstock hineinträgt, so haben wir aus der irdischen Welt den Honig zu saugen und ihn hinaufzutragen in die geistige Welt. 

Wir finden uns aber nur zurecht, wenn wir wissen, welches die Grundkräfte unseres Daseins sind. Aus diesem Grunde habe ich die Vorträge über das Devachangebiet gehalten. Nur eines konnte mich bewegen, diese Vorträge zu halten, von denen ich weiß, daß sie leicht mißverstanden werden können, das ist ein Satz, den die Verfasserin des theosophischen Grundbuches «Licht auf den Weg» geschrieben hat: 

Und so du die Wahrheit erkannt hast, so darfst du sie nicht für dich behalten. - Wer die Wahrheit erkannt hat, darf sie nicht für sich behalten. Und wer sich berufen fühlt, sie zu sagen, der muß sie sagen, gleichgültig, wie sie aufgenommen wird. 

Hoher als alles andere ist der Ruf aus der geistigen Welt, wenn wir ihn einmal vernommen haben. Dieser Ruf erweckt in uns ein Bewußtsein, das ganz anders ist als alles Bewußtsein, das wir uns aus dem sinnlichen Dasein kennen. Und dann können wir aus der Anschauung des Geisteslandes heraus einen Spruch Salomons zu unserer Devise machen:

Deshalb flehte ich um Einsicht, und sie ward mir gegeben, ich rief den Höchsten an, und Weisheit ward meinem Geiste. Ich schätze die Wahrheit höher als alles dasjenige, was im Sinnenreiche um mich herum lebt. Der Weise schätzt die Weisheit höher als alle sinnlichen Reiche, die um ihn herum sind. Deshalb versucht er es, diese Weisheit zu verkündigen. 

Das soll eine Rechtfertigung dessen sein, was mich bewogen hat, über dieses subtile Gebiet des Daseins zu sprechen, obgleich ich weiß, wie diese Dinge mißverstanden werden können und wie schwierig es ist, darüber in einer einigermaßen verständlichen Sprache zu sprechen. Aber wenn wir diesen Ruf empfunden haben, dann lassen wir im Sinne der salomonischen Weisheit ihn austönen in die Worte: 


Propter hoc optavi et datus est mihi sensuset invocavi et venit in me Spiritus sapientiae et praeposui illam regnis et sedibus et divitias nihil esse duxiin comparatione illius. 

Darum betete ich,- bat ich,- und es wurde mir Verständnis gegeben....  

und ich rief und der Geist der Weisheit kam in Mich ,- 


und genau deswegen schreibe ich nun auch  alles  darüber nach und nach ! Dank an Rudolf Steiner, wie ich schon schrieb, Verwandter im Geiste.

Kurt Meyer geb. Pehlke 

apis 

 * und (   )  sind Anmerkungen von mir  Kurt Meyer 

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